Projekt

Der Digitaldialog trägt zu Gesellschaftsgestaltung bei

Digitalisierung ist ein zentrales Thema unserer Zeit. Digitale Technologien sind aus dem Alltag der meisten Bürger*innen kaum noch wegzudenken. Ganz praktisch wirken sie sich auf immer mehr Lebensbereiche aus und werden dabei immer komfortabler und zugleich alternativloser.

Beispielsweise hat sich die Art, wie wir mittels Smartphones oder Social Media kommunizieren grundlegend gewandelt. Auch Lebensbereiche wie Gesundheit, Bildung, Zusammenleben oder Arbeit werden durch digitale Angebote grundlegend beeinflusst. Digitaler Wandel bedeutet jedoch nicht allein technologischen Fortschritt, sondern ebenfalls kulturelle Veränderungen.

Deshalb stehen im Projekt „Digitaldialog 21“ soziale und ethische Fragestellungen sowie politische Herausforderungen im Kontext des digitalen Wandels im Mittelpunkt. Die Forscher*innen im Projekt gehen dabei von der Grundannahme aus, dass der digitale Wandel gerade auch von Bürger*innen mitgestaltet werden kann und sollte.

Kurz: Unter dem Einfluss des digitalen Wandels wird die gesamte Gesellschaft zum Labor. Unsere Gesellschaft ist ein offenes und experimentelles Labor, in dem Bürger*innen aktiv ihre eigene Zukunft mitgestalten können. Das Projekt „Digitaldialog 21“ trägt dazu bei, dieses Leitbild in die Praxis umzusetzen.

Der Digitaldialog 21 schließt Forschungslücken

Im Kontext der Digitalisierung bestehen trotz großer Anstrengungen Forschungslücken im Bereich der Werteforschung und Bürgerpartizipation. Welche essentiellen Lebensfragen werden durch die Digitalisierung berührt? Wie lässt sich der digitale Wandel von möglichst vielen Mitgliedern der Gesellschaft mitgestalten?

Einerseits sind mit Digitalisierung wirtschaftliche Potenziale, gesteigerte digitale Souveränität sowie Effizienzgewinne in vielen Anwendungsbereichen verbunden. Andererseits ist bislang ungeklärt, ob und in welchem Umfang sich zukünftig zentrale Werte, Wahrnehmungen, Haltungen und Perspektiven von Menschen schleichend verschieben und welche sozialen Ungleichheiten und digitalen Vulnerabilitäten (Verletzbarkeiten) dadurch möglicherweise entstehen.

Dabei stehen Werte wie Selbstbestimmtheit, Autonomie, Würde oder Privatheit im Mittelpunkt. Wie verändern sich unter den Bedingungen digitaler Lebenswelten und Kulturen die Möglichkeiten zu sozialer Teilhabe? Eine moderne Gesellschaft kann sich keine abgehängten Bürger*innen leisten. Wie lassen sich also Lebenschancen angleichen – gerade auch für diejenigen, die bislang als „Digitalisierungsverlierer“ bezeichnet werden?

Was bedeutet Digitalisierung für unterschiedliche Personengruppen, Bildungsschichten und Generationen? Wo lassen sich Unterschiede zwischen Stadt und Land aufzeigen und welche Konsequenzen sind damit verbunden? Welche Perspektive haben Entwickler wie Software-Programmierer im Kontext der Digitalisierung und wo können sie – gerade auch im Dialog mit Bürger*innen – Verantwortung übernehmen?

Der digitale Wandel ist kein Naturereignis, sondern gesellschaftlich gemacht. Mit unserem Projekt tragen wir dazu bei, zeitgenössische Entwicklungen besser zu verstehen und zugleich Potenziale der Mitgestaltung aufzuzeigen – gerade auch vor dem Hintergrund steigender „Digitalisierungsverdrossenheit“. Das Projekt „Digitaldialog 21“ hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Dialoge zum digitalen Wandel zu führen: Dialoge zwischen Laien und Experten (sowie Gestaltern) der Digitalisierung, Dialoge zwischen Bürger*innen sowie Dialoge zwischen Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Politik.

Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Bürger*innen lokale und praxisorientierte Ermöglichungsstrukturen für die bewusste und aktive Gestaltung des digitalen Wandels zu schaffen, die auch für andere Bereiche gesellschaftlicher Transformation genutzt werden können.

Der Digitaldialog 21 verfolgt einen inter- und transdisziplinären Forschungsansatz

Das Projekt „Digitaldialog 21“ versteht sich als transformatives und praxisorientiertes Denklabor, das empirische Bestandaufnahmen mit strategischer Zukunftsgestaltung verknüpft.

Um Haltungen, Ängste, Werte- und Moralvorstellungen zum digitalen Wandel seismographisch zu erfassen und theoriegeleitet zu analysieren, werden mehrere Perspektiven interdisziplinär verknüpft: Philosophie, allgemeine und Medienethik sowie Medienbildungsforschung (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) Digital- und Medienethik (HdM Stuttgart), Sozioinformatik sowie Soziologie und Verbraucherforschung (Hochschule Furtwangen).

Im Projekt kommen zudem unterschiedliche (analoge und digitale) Erhebungsmethoden und Beteiligungsformate zum

Einsatz. Diese reichen von der narrativen Werteforschung, über Stakeholder- und Situationsanalysen bis hin zu Verfahren zur Abschätzung möglicher kurz und langfristigen Auswirkungen der Digitalisierung, Dialog- und Partizipationsverfahren sowie Bürgerwissenschaften (Citizen Science) und künstlerischer Forschung.

Insgesamt werden im Projekt Digitaldialog 21 Bürger*innen in Baden-Württemberg vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten angeboten, um deren Haltungen zum digitalen Wandel zu erfassen, gemeinsam zu reflektieren und zu diskutieren sowie Fragen zur zukünftigen Gestaltung des digitalen Wandels daraus abzuleiten.

Der Digitaldialog 21 verfolgt Ziele zwischen Bestandaufnahme und Transformation

Auf Basis mehrerer miteinander verknüpfter Teilprojekte verfolgt das Projekt „Digitaldialog 21“ Ziele auf vier Ebenen – zwischen einer Bestandsaufnahme bzw. Kartographie des digitalen Wandels und einer kollaborativen und partizipativen Gesellschaftsgestaltung.

Prüfung der sozio-technischen Voraussetzungen des digitalen Wandels:

Zusammen mit Praktikern fragen wir nach dem Gestaltungsspielraum für digitale Anwendungen. Dazu werden Stakeholder- und Situationsanalysen, Interviews sowie Workshops durchgeführt und ausgewertet.

Abschätzung gesellschaftlicher Folgen des digitalen Wandels:

Zusammen mit Praktikern sowie Bürger*innen fragen wir nach kurz- und langfristigen Folgen des digitalen Wandels – wie verändern sich z.B. Perspektiven auf das Zusammenleben, Geschlechterverhältnisse, Bildungsziele oder Arbeitskontexte in Abhängigkeit von sozial-räumlichen Voraussetzungen? Wie verändern sich Werte, Wahrnehmungen, Haltungen und Perspektiven im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel? Hierzu werden narrative Interviews im Kontext eines multidisziplinären Digital Ethics Assessments, Impact Assessments in Form von Workshops mit Praktikern und öffentliche Dialogforen sowie Analysen zum schleichenden Wandel von Orientierungsrahmen (sog. ‚shifting baselines’) durchgeführt.

Entwicklung medienethischer Konzepte, Tools und Maßnahmen:

Auf der Basis konzeptioneller und normativer Theoriearbeit und den Zwischenergebnissen des Projekts entwickeln wir anwendungsbezogene medienethische Konzepte, Tools und Maßnahmen für die Förderung von Digital- und Verbraucherkompetenz. Damit fördern wir insgesamt die „digital literacy“ und praxisrelevantes Orientierungswissen – gerade auch für vulnerable Gruppen.

Beratung relevanter gesellschaftlicher Stakeholder zum digitalen Wandel:

Abschließend bieten wir auf der Basis unserer Erhebungen systematisches Entscheidungswissen für die Politik. Das Projekt stellt die relevanten Fragen zum digitalen Wandel aus der Perspektive von Bürger*innen übersichtlich und praxisrelevant zur Verfügung.

Präsentation der Ergebnisse

Um sowohl zum öffentlichen Diskurs beizutragen sowie politische Handlungsempfehlungen abgeben zu können, werden die Ergebnisse des Projekts „Digitaldialog 21“ nicht nur in Fachpublikationen, sondern komplementär dazu im Stil öffentlicher Wissenschaft präsentiert. Zusammen mit Informationsdesignern werden daher die Ergebnisse in einem illustrierten Bericht graphisch und visuell aufbereitet.
Diese Form der Ergebnispräsentation dient dazu, die Reichweite und Resonanz der Forschung zu erhöhen und Wissen zu schaffen, dass kulturell auch an außerwissenschaftliche Akteure anschlussfähig und zugleich zugänglich ist. Weiterhin werden die Ergebnisse multimodal in unterschiedlichen Formaten und in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern einem breiteren Publikum präsentiert.