Teilprojekt Institut für Philosophie, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg (Prof. Dr. Dr. Matthias Rath): Ethisch-normative Bewertung des digitalen Wandels mit besonderem Blick auf LSBTIQ* Identitäten und deren Chancen und Risiken im und durch den digitalen Wandel [1]
Dr. Gen Eickers
Wissenschaftliche Hilfskräfte: Thale Reitz, Michelle Tannrath

Mit Hinblick auf die zentrale Projektfrage “Was bedeutet Digitalisierung für unterschiedliche Personengruppen, Bildungsschichten und Generationen?” liegt in diesem Teilprojekt der Fokus auf LSBTIQ* Personen. Es gibt bisher kaum Digitalisierungsforschung zu LSTBIQ* Identitäten und Lebenswelten, obwohl diese Gruppe gleich mehrere marginalisierte Identitäten erfasst, die teilweise gleichermaßen aber teilweise auch unterschiedlich von Digitalisierung betroffen sind. Dem wird im Teilprojekt nachgegangen.

Digitalisierung geht einher mit der Etablierung neuer Interaktionsmodi: Zwischenmenschlichkeit und Interaktion im Allgemeinen sind auch digital möglich: zum Beispiel über Smartphones und Computer, mithilfe von Apps für textbasiertes Chatten, bildbasiertes Chatten, öffentliches und privates Posten von Bildern und Videos, und live Kommunikation über Videokonferenz oder Telefonkonferenz. Die Möglichkeiten sind vielfältig und mehrdimensional.

Insbesondere das Teilen von Inhalten über öffentliche oder teil-öffentliche Kanäle, die aber dennoch auf Interaktion ausgelegt sind (soziale Medien) – so z.B. Twitter, Facebook, Instagram –, scheint eine wichtige Rolle bei der (Aus-)Bildung, Bestätigung, und Reproduktion bestimmer Werte und ethischer Praktiken zu spielen. Soziale Medien haben die Macht und Funktion, zur Reproduktion bestehender Normen beizutragen, da durch den Inhalt, der (teil-)öffentlich zur Verfügung gestellt wird, signalisiert werden kann, welche Werte (explizit oder implizit) vertreten werden.

Digitale Interaktionen können den Vorteil haben, dass Wertvorstellungen, die vormals eher nur bestimmten Nutzer_innnen und Gruppen geläufig waren, nun (teil-)öffentlich zugänglich werden. Dies kann dazu beitragen, vorurteilsbehaftetes Denken abzubauen. Allerdings ist dies insbesondere mit Blick auf marginalisierte Identitäten auch mit Risiken behaftet. Angehörige bestimmter sozialer Gruppen nehmen aufgrund ihrer Marginalisierung in der Gesellschaft eine besondere Stellung ein. Diese besondere Stellung bezieht sich nicht nur auf Rechte und Pflichten, die diesen Identitäten gesetzlich auferlegt werden, und/oder auf Ungleichbehandlung, die vom Staat ausgeht (also auf systematische und strukturelle Diskriminierungsformen), sondern auch auf die Art und Weise, wie mit diesen Identitäten im alltäglichen Leben, also auch medial, umgegangen wird (also auf alltägliche Diskriminierungsformen (die jedoch u.U. auch strukturell verankert sein können)). Im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung ergeben sich diesbezüglich zahlreiche Fragen. Das Teilprojekt an der PH Ludwigsburg nimmt sich dieser Fragen im Rahmen einer philosophischen Analyse, unterstützt durch eine qualitative empirische Studie an. Wir versuchen insbesondere Antworten zu finden auf die Fragen, inwieweit LSBTIQ* Personen von der Digitalisierung besonders betroffen sind, wie LSBTIQ* Identitäten von der Digitalisierung beeinflusst werden, und welche Chancen und Risiken sich auch gesamtgesellschaftlich aus den Effekten der Digitalisierung für LSBTIQ* Menschen ergeben.

Aus der Forschung zum Teilprojekt an der PH Ludwigsburg geht auch (wissenschaftliche) Öffentlichkeitsarbeit hervor; zum Beispiel dieser Artikel für die Querfragen-Kolumne beim Magazin jetzt.de von Gen Eickers. Es geht um mediale Berichterstattung zu trans Personen.

 

[1] Die Abkürzung LSBTIQ* steht für: lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter, queer. Der Asterisk indiziert, dass die Abkürzung nicht final ist (sondern z.B. auch Identitäten einschließt, die sich eventuell nur teilweise in den Kategorien wiederfinden).